Barmer GEK Zahnreport 2014Der Westen hat Nachholbedarf bei der Zahnvorsorge

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Berlin (07.05.2014). Bei der Zahnvorsorge gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle. Das geht aus dem aktuellen Barmer GEK Zahnreport hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Während in Westdeutschland die Teilnahmeraten zwischen 43,9 Prozent in Bremen und 56,5 Prozent in Bayern schwanken, pendeln die Werte in den neuen Ländern um die 60-Prozent-Marke. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern fällt mit 55,8 Prozent etwas ab. "Eine Ursache dafür könnte eine Langzeitwirkung der frühkindlichen Sozialisation in den Kindertagesstätten und den Horten der ehemaligen DDR sein", sagte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, bei der Vorstellung des Reports. Insgesamt beanspruchte nur jeder zweite Bundesbürger im Jahr 2012 Prophylaxe-Leistungen.

Dieser Trend zeigt sich neben der Prophylaxe auch in Diagnostik und Behandlung. Laut Report haben rund 75 Prozent der ostdeutschen Bundesbürger mindestens einmal jährlich einen Zahnarzt aufgesucht, in Westdeutschland waren es nur 68,9 Prozent. In Sachsen wird der regelmäßige Zahnarztbesuch besonders ernst genommen. 78,9 Prozent waren im Jahr 2012 mindestens einmal beim Zahnarzt. Schlusslicht sind die Saarländer, nur 63,9 Prozent von ihnen nutzten die jährliche Zahninspektion. Das sind 6,5 Prozentpunkte weniger als der bundesweite Durchschnitt (70,4 Prozent). "Dass rund 36 Prozent der Saarländer wegen sehr guter Zahngesundheit auf einen Zahnarztbesuch verzichten, darf bezweifelt werden", betonte Schlenker. 

Frauen gehen häufiger zum Zahnarzt

Auch zwischen den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede. 2012 gingen 74,2 Prozent der Frauen zum Zahnarzt, aber nur 66,4 Prozent der Männer. Vor allem junge Männer scheuen offenbar den Besuch beim Zahnarzt. Erst ab dem 50. Lebensjahr holen die Männer leicht auf, bevor sich die Inanspruchnahmerate dann im hohen Alter umkehrt. Ab dem 80. Lebensjahr gehen Männer häufiger zum Zahnarzt als Frauen.

Hoher Privatkostenanteil bei Zahnersatzbehandlung

Versicherte müssen für Zahnersatz tief in die Tasche greifen. Aus den im Zahnreport ausgewerteten Heil- und Kostenplänen ergeben sich durchschnittliche Gesamtkosten für Neueingliederungen von 1.295 Euro je Fall. Davon haben die Versicherten mehr als die Hälfte, nämlich im Durchschnitt 724 Euro, als Privatanteil getragen. Die Kosten schwanken regional jedoch erheblich. In Baden-Württemberg zahlen die Versicherten 936 Euro Eigenanteil, in Sachsen-Anhalt sind es 508 Euro. Analog zu den niedrigen Gesamtausgaben für Zahnersatz in den östlichen Bundesländern sind hier auch die Eigenanteile deutlich geringer. "Das könnte ein Hinweis auf ein Wohlstandsgefälle sein", so Schlenker. In der Praxis fallen die von den Versicherten privat aufzubringenden Anteile noch viel höher aus, weil die Patienten sich oft für eine gegenüber der Regelversorgung höherwertige Versorgung entscheiden. 

Sollte Zahnersatz notwendig werden, nutzen laut Barmer GEK Zahnreport immer noch zu wenige den Vorsorgebonus der Kassen. 54,8 Prozent erhielten im Jahr 2012 einen Bonus von 30 Prozent, 8,3 Prozent nahmen einen Bonus von 20 Prozent in Anspruch. "Versicherte sollten mindestens einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung gehen, um ihr Bonusheft abstempeln zu lassen", empfahl Schlenker. Langjährige Prophylaxe lohne sich in diesem Fall auch finanziell. Der von den Kassen gewährte Festzuschuss erhöht sich um 20 Prozent, wenn das Bonusheft über eine Zeitspanne von fünf Jahren und um 30 Prozent, wenn es über zehn Jahre lückenlos geführt worden ist. 8,6 Prozent haben einen sogenannten Härtefall-Zuschuss von 50 Prozent erhalten. Die Kosten der Regelversorgung werden bei diesen Härtefällen komplett von den Kassen übernommen. 

Wurzelbehandlungen sind besser als ihr Ruf

Im Jahr 2012 wurde bei insgesamt 6,1 Prozent der Versicherten eine Wurzelbehandlung durchgeführt. Allein der Gedanke an eine Wurzelbehandlung verursacht bei vielen Menschen Schmerzen, doch die Behandlung ist besser als ihr Ruf: "Diese Behandlungsmethode stellt einen wirksamen Eingriff dar, durch den in vielen Fällen Zahnverlust mit kostspieligen Folgebehandlungen vermieden werden kann", kommentierte Professor Michael Walter das Schwerpunktthema des diesjährigen Zahnreports. Walter ist Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus an der TU Dresden und zeichnet erstmals für die zahnmedizinischen Aussagen des Reports verantwortlich. Die Datenanalysen steuerte das in Berlin ansässige wissenschaftliche Beratungsunternehmen Agenon bei.

Der heute vorgestellte Zahnreport wertet "Zahnkarrieren" über drei Jahre aus. Derartige Längsschnittbetrachtungen stellen in dieser Größenordnung in der Versorgungsforschung ein Novum dar. 84 Prozent der Zähne mussten nach einer Wurzelbehandlung nicht erneut behandelt werden. Die Backenzähne (85 bis 86 Prozent) haben sogar eine niedrigere Rate von Folgebehandlungen als Frontzähne (82 Prozent). "Wurzelbehandlungen weisen in einem früheren Stadium der Erkrankung eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit auf", betonte Walter. Es müssen also nach einer Wurzelbehandlung nur selten Zähne erneut behandelt, also zum Beispiel gezogen werden. Den Ergebnissen des Reports zufolge wird nach drei Jahren nur etwa jeder neunte wurzelbehandelte Zahn entfernt. Auch hier lohnt sich also eine rechtzeitige Behandlung.

Seit dem 1. Januar 2004 gibt es jedoch bei den Wurzelbehandlungen an den Backenzähnen Indikationsbeschränkungen. Die Behandlung ist nach den Richtlinien nur angezeigt, wenn zum Beispiel eine geschlossene Zahnreihe erhalten werden kann. Da in unserem Zahnreport festgestellt wird, dass gerade die Wurzelbehandlung der Backenzähne durchaus erfolgreich im Sinne der Zahnerhaltung ist, müsse die insoweit restriktive Fassung der Richtlinie durch den Gemeinsamen Bundesausschuss überprüft werden, so Schlenker.

Fakten aus dem BARMER GEK Zahnreport 2014

  • Den größten Anteil an den Leistungen der vertragszahnärztlichen Versorgung hat der Bereich der "konservierenden, chirurgischen und Röntgenleistungen". Sie machen 70,3 Prozent aller Leistungen aus. Mit weitem Abstand folgen Leistungen aus dem Bereich Zahnersatz (10 Prozent) und die Parodontalbehandlungen (1,3 Prozent).

  • Bei der Behandlung von parodontalen Erkrankungen zeigen sich regionale Besonderheiten. So haben im Saarland 0,6 Prozent der Bevölkerung therapeutische Leistungen genutzt, in Nordrhein-Westfalen waren es dagegen mit 1,9 Prozent mehr als das Doppelte (Bundesdurchschnitt 1,63 Prozent). Nicht ganz so stark sind die Schwankungen bei den diagnostischen Leistungen von Parodontalerkrankungen. Sie liegen zwischen 16,9 Prozent im Saarland und 27,2 Prozent in Bayern (Bund 22,4 Prozent).

  • Die Inanspruchnahmerate für "Zahnersatz und Zahnkronen" lag 2012 für Neueingliederungen bei 5,6 Prozent. 5,5 Prozent der Bevölkerung benötigten eine Wiederherstellung bereits vorhandenen Zahnersatzes. Die Gesamtkosten für neuen Zahnersatz lagen inklusive Eigenanteil bei durchschnittlich 1294,95 Euro, für Wiederherstellungen wurden durchschnittlich 110,94 Euro je Fall aufgewandt (einschließlich Eigenanteil).

  • Für das Schwerpunktkapitel "Wurzelbehandlungen" wurden insgesamt rund 150.000 Zähne nach einer so genannten „direkten Überkappung“ beobachtet. Bei dieser Behandlung wird freiliegendes oder verletztes Zahnmark abgedeckt, um eine weitergehende Wurzelkanalbehandlung zu vermeiden. Dies gelang im Beobachtungszeitraum 2010 bis 2012 in rund 71,6 Prozent der Fälle.

  • Außerdem hatten die Autoren analysiert, inwieweit nach einer Wurzelbehandlung weitere Behandlungen folgen mussten. Dabei zeigte sich, dass 84,3 Prozent aller wurzelbehandelten Zähne in den Jahren 2010 bis 2012 keiner weiteren Behandlung bedurften. Wird eine Folgebehandlung notwendig, so ist dies am häufigsten eine Extraktion des Zahnes. Zweithäufigste Folgebehandlung ist die Wurzelspitzenresektion, am geringsten ist die Zahl der Fälle, in denen eine Wurzelbehandlung wiederholt werden musste.

Presseabteilung der Barmer GEK

Athanasios Drougias (Leitung), Telefon 0800 33 20 60 99-1421
Sunna Gieseke, Telefon 0800 33 20 60 44-3020
E-Mail: presse@barmer-gek.de

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